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Hat „Nichts“ eine Bedeutung?

Oder: Was im Leben wichtig ist

Pierre Anthon steigt aus. Zumindest im Buch „Nichts“ von Janne Teller. Pierre Anthon setzt sich in den Pflaumenbaum seiner Eltern und bewirft seine Klassenkameraden mit Pflaumen. „Nichts bedeutet etwas, das weiß ich seit langem. Deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun.“ ist sein Credo.

Im Philosophieunterricht des Heinrich-Heine-Gymnasiums gibt es seit drei Jahren die Verabredung der Lehrer, im 9. Jahrgang dieses Buch gemeinsam zu lesen und ausgehend von den Fragen der Schüler zu schauen, ob Pierre Anthon tatsächlich recht hat.

Diesmal hat sich der Philosophie-Kurs von Herrn Wolter auf den Weg gemacht, zu schauen ob tatsächlich nichts eine Bedeutung hat.

Schnell war sich der Kurs einig, dass Pierre Anthon im Roman nicht nur durch sein beständiges Kritisieren der Klassenkameraden sich selbst widerspreche; sondern sie entdeckten in ihrem eigenen Leben eine Fülle von Beschäftigungen, in denen sie einen Sinn finden und die für ihr eigenes Leben von großer Bedeutung sind. Emil berichtete vom Handball, in dem er sich selbst erfahre, Sophie vom Bedürfnis, mit ihren Freunden zu kommunizieren. Rebecca und Christian gestalteten sogar mit Hilfe eines Textes des Philosophen Ernst Bloch einen kurzen fiktiven Dialog, der Pierre Anthon Denkfehler nachweist.

Zu Veranschaulichung ihrer persönlichen Stücke von Bedeutung brachten die Schüler einen Gegenstand als Symbol mit – und gestalteten dazu in der Pausenhalle zwar keinen „Berg der Bedeutung“ (wie im Buch) – aber ein Mobile an der Decke der Pausenhalle. Wer also Dinge mit Bedeutung sucht, sollte in den nächsten Tagen im Eingangszentrum einmal den Kopf heben…

 

Eine fiktive Unterhaltung von Ernst Bloch und Pierre Anthon

(verfasst von Rebecca Lorenz und Christian Burchardi)

Ernst Bloch: „Pierre Anthon, warum sitzt du auf einem Pflaumenbaum? Sollte ein Junge in deinem Alter nicht in der Schule um diese Uhrzeit sein?“

Pierre Anthon: „Das Leben hat keine Bedeutung. Man wird geboren um zu sterben.“

Ernst Bloch: „Was tust du den ganzen Tag?“

Pierre Anthon: „Nichts.“

Ernst Bloch: „Dir muss furchtbar langweilig sein, denn Langeweile ist der Lohn für ein Leben ohne Arbeit.“

Pierre Anthon: „Nun, mir ist aber nicht langweilig, es gibt genug Pflaumen, die ich auf meine Klassenkameraden werfen kann.“

Ernst Bloch: „Ja, aber dann tust du doch etwas. Du bist der Stachel, der dich zur Arbeit zwingt.“

Pierre Anthon: „Ich arbeite nicht, denn Pflaumen werfen ist keine Arbeit.“

Ernst Bloch: „Aber du denkst noch nach und überlegst, was du deinen Klassenkameraden sagen kannst?“ (In dem Roman Nichts bewirft Pierre Anthon seine Klassenkameraden nicht nur mit unreifen und reifen Pflaumen, sondern versucht sie auch noch zu überzeugen, dass seine Ansicht die richtige ist.)

Pierre Anthon: „Ja schon, aber sie sind dumm und wollen nicht begreifen, dass nichts eine Bedeutung hat.“

Ernst Bloch: „Es kann dir doch egal sein, wenn nichts eine Bedeutung hat. Du müsstest den ganzen Tag schlafen, um nicht nach zu denken, denn das Nachdenken ist Arbeiten an dir selbst.“

(…)

Alexander hängt Teile seines zerborstenen Skateboards auf.
Carlotta und Annabelle tackern das Mannschaftsfoto ihrer Fußballtruppe.
Der Philosophie-Kurs und das fast fertige Mobile.
 
 

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