Willkommen am Heinrich-Heine-Gymnasium Hamburg!

Tschüß, “Doppeljahrgang”!

Anlässlich der Abiturentlassung des “Doppeljahrgangs” am 27. Juni in der kleinen Laeiszhalle hielten die Stufensprecherinnen Hannah Kikwitzki und Janne Harder folgende Rede:


Heinrich Heine sagte einmal:


„Der Engländer liebt die Freiheit wie sein rechtmäßiges Weib, er besitzt sie….

Der Franzose liebt die Freiheit wie seine erwählte Braut. Er glüht für Sie, er flammt.

Der Deutsche liebt die Freiheit wie seine alte Großmutter.“


Liebe Eltern, Freunde und Verwandte, liebe Lehrer, liebe Frau Bendt und natürlich liebe Mitschüler!


Endlich haben wir es geschafft, in wenigen Momenten bekommen wir unser Abitur-Zeugnis verliehen und  dann heißt es für uns: „Ab in die Freiheit!“ Doch was bedeutet Freiheit eigentlich für uns?


  1. Individualität/ Selbstentfaltung
  2. die Welt entdecken, auf Reisen gehen
  3. Spaß, Saufen, Nichts tun
  4. Verantwortung übernehmen,  neue Verpflichtungen eingehen
  5. Auch mal ohne Plan dazustehen, nicht zu wissen, was als nächstes kommt
  6. Die Wahl haben, neue Wege, neue Möglichkeiten


Sehen Sie, auch wir können die Freiheit lieben und für sie glühen. Die Freiheit, ein kostbares Gut, auf die wir uns alle sicher einige Male während unserer Schulzeit gefreut haben.


Die meiste Zeit unseres Schullebens verbrachten wir hier am Heinrich-Heine-Gymnasium. Wir haben einiges erlebt an Umbauten und Projekten,  haben Lehrer kommen und gehen sehen und haben uns in dieser Zeit vor allem selbst verändert.

Als schüchterne, winzige 5. Klässler, die zu jener Zeit noch Respekt vor den Oberstüflern hatten, erkundeten wir auf eigene Faust die neue Schule. Da war die hohe Kletterwand, die zu besteigen, der imposante Schulteich, der zu erforschen und die verbotene Raucherecke, die zu vermeiden war, doch am Interessantesten waren natürlich die neuen Mitschüler. Während wir in der Unterstufe auf unterschiedlichste Weise mit dem Wechsel der rosigen, heilen Welt der Grundschule, auf die harte Realität des Gymnasiums kämpften, wurden Freundschaften geschlossen, wo es nur ging. Zettelchen mit den 3 kostbaren Buchstaben H, D und L (hab dich ganz doll lieb) wurden im Unterricht von Hand zu Hand gegeben, als Beweis der tiefen und sicherlich  ewigen Freundschaft.

Mit dem Alter veränderte sich aber nicht nur die unglaubliche Geschwindigkeit, in der diese mehr oder weniger festen Beziehungen entstanden, sondern auch die Wahl des Kameraden. In der Mittelstufe wurde plötzlich das andere Geschlecht wahrgenommen und interessant. Eine Zeit begann, in der Beziehungen geschlossen, Herzen gebrochen und erste ungeschickte Flirtversuche ausprobiert wurden. –Willst du dir mit mir eine Salzstange teilen?-

Nicht zu vergessen  lief nebenher auch noch die Schule, die zudem immer mehr an Anspruch zunahm, und die Mathelehrer versetzten einen in der 8. Klasse regelmäßig in Panik mit den Worten: „Das wird später alles im Abitur drankommen!“

Doch in der Mittelstufe begannen wir auch zu merken, wo unsere Stärken und Schwächen sind, wobei wir Spaß haben und wo unsere Prioritäten liegen.


Seit der Oberstufe wurden wir erneut geprägt. Der Klassenverband löste sich auf, es wurde gelernt, Partys wurden gefeiert, man begann immer eigenständiger zu werden und eine grundlegende Veränderung stand uns bevor. Für uns in der elften Klasse, für euch war es ja noch die zehnte, hieß es aus Gy8 und Gy9 mach eins, wir „Großen“ wurden  mit euch „Kleinen“ ungefragt zusammengemixt und uns unserer individuellen Aufgeschlossenheit überlassen. Denn wir sind der berühmt-berüchtigte und nicht selten verfluchte Doppeljahrgang. Was würde uns erwarten?


Als Gy8er waren wir natürlich verunsichert. Wird sich das eine Jahr weniger Unterricht stark bemerkbar machen? Und was ist mit dem Altersunterschied, der mitunter schon sehr groß ist? Außerdem fühlten einige von uns sich fremd. Es war beinahe schon so etwas wie schlechtes Gewissen, dass wir den Gy9-ern ihre eigene Oberstufe „wegnehmen“.

Doch natürlich gab es auch eine große Neugierde und Vorfreude auf die „neuen Mitschüler“.


In unseren Kreisen war die Stimmung sehr gemischt, einige freuten sich auf neue Gesichter, andere auf Freunde, mit denen sie nun auch zusammen den Unterricht verbringen konnten. Doch es wurden auch ganz andere Stimmen laut. Die Lehrer nutzten jede Chance uns vorzuhalten, die Gy8er wüssten wenigstens, wie man richtig lerne und seien ohnehin viel fleißiger als wir, wir sollten uns besser in Acht nehmen, diese Gy8er waren nicht zu unterschätzen, na super! Wir wollten nicht, dass unsere Stufe so durchmischt wird, da würde alles viel komplizierter, größer und unpersönlicher werden! Außerdem waren die doch viel jünger als wir! Was ist mit den Leistungskursen, werden die nun größer? Was passiert mit den Tut-Gruppen, werden die noch mal aufgebrochen? Und werden wir überhaupt alle aus unserer neuen Stufe kennenlernen können? Was für ein Durcheinander das geben wird!

 

Dieses Durcheinander sollten wir auch bekommen. Nicht, dass von 9-13 Jahren Schulerfahrung und 15 Jahre jungen, aber auch 20 Jahre alten Schülern alles dabei war, es gab auch sonst ein wahrliches Chaos. Natürlich wurden schnell Freundschaften geschlossen und eine solide, wenn auch zurückhaltende Sympathie baute sich auf, doch durch alle vier Semester schlich im Hintergrund das immer wieder heiß diskutierte Schlagwort Stufengefühl mit. Gibt es bei uns ein Stufengefühl? Und was ist das eigentlich, ein Stufengefühl?

Nun, die letzte Frage lässt sich wohl leichter beantworten. Als Gruppengefühl bezeichnet man eine Zusammengehörigkeit, die aufgrund von Sympathie, gleichen Zielen und ähnlichen Interessen entstanden ist. Auf einen Jahrgang bezogen, in den man ja eher zufällig, statt bewusst entschieden gekommen ist, bedeutet das, sich gegenseitig zu kennen, zu respektieren und wenigstens in groben Zügen die gleichen Ziele zu verfolgen.

Natürlich ist es unumstritten, dass wir alle wenigstens ein gemeinsames Ziel hatten – das Abitur. Aber was ist mit den vielen schönen Traditionen, die dazu gehören? Was unsere Abireise, unseren Abischerz, unser Abibuch und beinahe sogar unseren Abiball betrifft, so haben wir der Bezeichnung „Doppeljahrgang“ alle Ehre gemacht – Abi². Vielleicht lag es an der Anzahl der Schüler, vielleicht an dem Fehlen einer gemeinsamen Vorstufe, um das Kennenlernen leichter zu machen, vielleicht an den zu unterschiedlichen Interessen, vielleicht aber auch nur an der Tatsache, dass sich einige Schüler bis zum letzten Schultag nicht einmal mit Namen kannten. Jedenfalls fand dieses Jahr keine klassische Reise statt, unterschiedliche Abikomitees machten sich gegenseitig die Arbeit schwer und Vollversammlungen endeten oftmals in einer mittelschweren Katastrophe. Das Hauptziel war bei allen gleich, wie man den Weg dorthin gestaltet in höchstem Maße unterschiedlich.

Aber muss das unbedingt schlecht sein? Das Wichtigste ist doch, dass jeder seinen persönlichen Weg gegangen ist, ob alleine oder in der Gruppe und, dass jeder seine Abibräuche mitgestalten konnte, wenn er es wollte. Und gerade wenn man auf die heiße Phase der letzten Tage sieht, so wird deutlich, dass plötzlich die Kleinigkeiten gar nicht mehr so wichtig waren.

Ganz genau, zusammen haben wir eine großartige Mottowoche erlebt! Unsere persönliche Belohnung für das viele Lernen hat uns gemeinsam Lachen lassen und Fotos schießen lassen, Komplimente für gelungene Outfits wurden verteilt und das eine oder andere Glas zusammen geleert. Zusammen haben wir gegrillt und in der Sonne gesessen – ja, man kann es so sagen- in unserem Stolz und der unendlichen Freude über den letzten Schultag plötzlich als eine Stufe gefühlt, wir fanden das lange gesuchte Stufengefühl! Schlechtes Timing, aber immerhin.

Sowohl das Bonbonwerfen als auch der Abistreich, die nach langem Hin und Her beinahe in einem Desaster endeten, sind uns dann doch noch gut gelungen und rundeten den neuen Zusammenhalt harmonisch ab. Die letzten Wochen waren für uns alle einzigartig und gerade diese bedeutende Zeit haben wir zusammen erlebt und können sie wohl auch in außerordentlich schöner Erinnerung behalten

- als der Jahrgang von 2010!


Ob es nun 12 oder 13 Jahre waren, die ganze Zeit hinweg dürfen wir natürlich die Lehrer nicht vergessen, die uns stets begleitet sowie geprägt haben, die man nicht leiden konnte aber die auch gemocht wurden. Da gab es einige Momente, in denen man froh war, den einen oder anderen nach langjähriger Plagerei nicht mehr im Unterricht zu haben, es wurde geflucht und geschimpft nach ungerechter Notenvergabe, unverständlichen Klausuren oder einfach nur um sich von dem autoritären Lehrer nicht in den Schatten stellen zu lassen. Wir sind wohl alle mal „ganz zu unrecht natürlich“ aus dem Unterricht geflogen.

Doch sicher gab es auch andere Momente. Momente in denen Schüler und Lehrer gemeinsam und motiviert an Projekten arbeiteten und so den Schulalltag bereicherten und von denen die Schüler-Lehrer Beziehung sicher profitieren konnte. Das besondere Engagement einiger Lehrer, sei es im Bezug auf außerschulische Aktivitäten, Projektreisen oder einfach nur der gute Bezug zur Schülerschaft ist bemerkenswert, auch wenn einige Vorhaben leider nicht zustande kamen. Was ist eigentlich mit dem Beachvolleyballfeld? Diesen Einsatz lernten wir wohl erst richtig in der Oberstufe zu schätzen, als auch mal mit dem Mathelehrer nett geplauscht wurde und man sich in den Leistungskursen, in den Projektwochen oder auch mal abends auf ein Bier öfter traf. So war es umso trauriger, dass wir mit der Zeit einige, ans herzgewachsene Lehrer gehen sahen.


And last but not least wollen wir uns bei Personen bedanken, ohne die unsere Schulzeit sicher nicht dieselbe gewesen wäre. Da wären zunächst unsere Tutoren, die die Oberstufe hindurch sicherlich nicht nur organisatorisch ein Ansprechpartner und eine Stütze waren.

Besonders gilt unser Dank Frau Hansen, die nicht nur als Tutorin in unserer Stufe vertreten war, sonder auch als Oberstufenkoordinatorin die große Herausforderung gemeistert hat, das Abitur von gleich zwei Jahrgängen zu organisieren. Ein Aufwand, der für uns wohl kaum in vollem Maße nachvollziehbar ist.


Weiterhin möchten wir unserem Hausmeister Herrn Sauer, der immer wieder mit vollem Einsatz den Schulalltag mitprägte, viele Aktionen erst ermöglichte und sehr viel Wert auf eine gute Beziehung zu den Schülern legte, danken. Seine Hilfe, sein Können und seine Ruhe haben mitunter auch den Abistreich so gut gelingen lassen.


Auch Frau Albers und Frau Lehrmann-Schlienz aus dem Sekretariat, die immer lieb Pflaster in der Unterstufe und einen guten Rat in der Oberstufe verteilt haben danken wir.


Natürlich darf auch unsere Schulleitung nicht vergessen werden. Liebe Frau Bendt, vielen Dank für alles, was Sie für uns und die Schule getan haben. Wir wünschen Ihnen in Zukunft auch ohne das turbulente Schulleben nur das Beste.


Jetzt stehen wir hier mit unserem sogenannten Reifezeugnis in der Hand, ob wir deshalb alle so wahnsinnig reif und erwachsen sind, ist schwer zu sagen, aber wir haben die unterschiedlichsten Probleme gelöst und verschiedenste schulische wie private Hürden genommen. Nun stehen uns neue Herausforderungen bevor, Job, Ausbildung, Wohnung, Ausland. Ob dies die Freiheit ist, die wir uns so oft vorgestellt und gewünscht haben, wird sich zeigen. Sicherlich heißt „ab in die Freiheit“ aber für jeden von uns, dass ein neuer Lebendabschnitt beginnt und jeder seinen eigenen Weg geht.

Doch das wichtigste für die Zukunft wußte schon unser oft erwähnter und allseits bekannter Namensgeber Heinrich Heine auf den Punkt zu bringen:


„Den Kopf halt kühl, die Füße warm, das macht den besten Doktor arm.“