Am 6. August ging’s los. Der Flug, der mich nach Amerika bringen sollte, wo ich für die nächsten zehn Monate leben würde, ging von Hamburg nach Frankfurt, nach Washington D.C. und von da aus nach Hartford in Connecticut.
Es war schwierig all meine vertrauten Freunde und vor allem meine Familie für zehn Monate hinter mir zu lassen, da ich mir ja nicht sicher sein konnte, sie so anzutreffen wie ich sie bisher gekannt habe. Wäre ich alleine gewesen, hätte ich nie den Durchgang auf die andere Seite des Flughafens überschritten, doch Claudia, eine andere Austauschschülerin, die ich schon kannte, zerrte mich mit ihr und zusammen überstanden wir die Reise irgendwie.
Im Laufe des Tages trafen immer mehr Austauschschüler von YFU (meiner Organisation) aufeinander. Man teilte die Aufregung und Trauer, das Heimatland zu verlassen. Von meinem Flug von Washington D.C. waren wir nur noch zu dritt und es stellte sich heraus, dass Thorben und ich auf die gleiche Schule gehen würden: Westfield High School.
In Hartford angekommen trafen wir auf unsere Gastfamilien. Es war ein komisches Gefühl zu wissen, dass diese wildfremden Menschen, die ich hier zum ersten Mal antraf, meine Familie für die nächsten zehn Monate sein würde.
Wir fuhren auch gleich zu unserem Haus. (Natürlich nicht bevor wir in einem Fast Food-Laden gestoppt haben, wo ich mir ein kleines Eis bestellt habe, was so groß wie 3 Kugeln war.).
Die ersten 3 Wochen in Amerika die ich verbrachte, waren Ferien. Ich unternahm viel mit meiner Gastmutter oder genoss das sommerliche Traumwetter mit der anderen Austauschschülerin, die in Springfield, einer Stadt in der Nähe, wohnt.
Bevor die Schule ganz losging, besuchten Mom und ich die Schule um mich anzumelden und herauszufinden, wann die so genannten “Try-Outs” für die Sportarten an der Schule sind. Ich nahm an den Try-Outs für Volleyball teil, wo ich gleich viele nette Leute kennen lernte. Try-Outs sind meistens für 2 Tage und man muss dem Coach zeigen wie gut man ist, damit der entscheiden kann ob man ins beste Team (varsity) , zweitbeste Team (junior varsity) oder in gar kein Team kommt. Die Try-Outs vom Volleyball waren bevor die Schule begann, somit war es gut, dass ich nun schon einige Mädels dort kannte und nicht mehr gaaaaaaanz so aufgeregt war.
Am ersten Tag der Schule dann konnte ich in der Nacht kaum schlafen, und war suuuper aufgeregt. Mein Onkel, der gegenüber von unserem Haus wohnt, brachte mich dorthin, so dass er mir zeigen konnte, wo ich zuerst hinmusste und so.
Ich hasste die ersten Tage der Schule; war völlig überfordert. In Mathe und Geschichte verstand ich kein Wort. Ich hatte das Gefühl, alle hatten ihre eigenen Freunde und haben sich gewundert, warum ein 15jähriges Mädchen, das noch nicht mal richtig Englisch kann, in der 12. Klasse ist. In den ersten Wochen saß ich jeden Tag mit meiner Gastmutter bis 24 Uhr in der Küche und wir versuchten gemeinsam meine Mathehausaufgaben zu machen, da es Wortprobleme waren, die ich nicht verstand.
Eine gute Sache, die mich sehr gefreut hat, war, dass ich ins Varsity Volleyball Team der Schule gekommen bin, somit ich hatte ich jeden Tag nach der Schule Training. Mein Volleyballteam war einfach super. Wir hatten soooo viel Spaß jeden Tag beim Training und hatten so genannte “Pasta Parties” vor den Spieltagen, wo wir uns getroffen haben und Nudeln gegessen und Spiele gespielt haben. Durch meine Volleyball Mädels hab ich viele neue Leute kennen gelernt und fühlte mich gleich viel wohler.
Im Laufe der Zeit bin ich schlimmes Heimweh durchgegangen, da mir die 10 Monate plötzlich doch so lange vorkamen, bin besser in der Schule geworden und habe super viele Leute kennen gelernt. Mit dem Volleyball kamen wir sehr weit, doch als es vorbei war, fehlte irgendwas. Jeder Sport, den man an der Schule treibt, ist nur für eine Saison, also ungefähr drei Monate und danach muss man einen anderen Sport treiben, oder halt gar nichts machen.
Ich fing mit Cheerleading an und lernte erneut super viele süße und nette Mädchen kennen. Ich fing an sehr viel mit meinen Freunden zu unternehmen und meine Organisation bot viele Programme an, wie nach Boston, New York City oder Niagarafälle zu fahren.
Ich hatte außerdem auch viele Auftritte mit meinem Showchoir. Showchoir ist wie ein grosser Chor, nur mit Singen und Tanzen. Wir traten oft bei grossen Anlässen auf, vor allem in der Weihnachtszeit haben wir oft in Restaurants gesungen.
Nun sind schon sieben Monate meines Jahres vorbei und die Zeit verging im Nachhinein doch suuuuperschnell.
Ich kann mir schon gar nicht vorstellen, alles hier zu lassen und will es auch überhaupt nicht. Meine neue Familie und vor allem all meine supergeilen Freunde. Mittlerweile kennt man fast jeden an der Schule oder sie kennen uns Deutsche, Thorben und mich, einfach weil wir eine Attraktion sind und jeder neugierig ist und uns Fragen stellt.
Ich habe sooo unzählig viele tolle, unglaubliche und unvergessliche Erlebnisse gehabt hier, die ich nie vergessen werde. In meiner Gastfamilie habe ich leider keine Geschwister, doch wir haben zwei Hunde, zwei Katzen und wegen mir nun auch drei Vögel.
Der andere deutsche Austauschschüler, Thorben, ist total wichtig für mich geworden. Da wir uns jeden Tag in der Schule im Showchoir und bei anderen YFU-Aktivitäten sehen und er ein super Ansprechpartner ist, da er ja das gleiche durchmacht, ist er für mich wie ein großer Bruder geworden und ein guter Ersatz für meine Deutschen, die in Deutschland und Australien zurückgeblieben sind.
Ich will Amerika echt nicht verlassen. Natürlich sagen alle, dass sie mich adoptieren werden (so sind die Amis halt), oder dass ich immer wieder kommen kann, aber ich weiß, dass es auf jeden Fall nie wieder so sein wird wie jetzt. Viele meiner Freunde werden nächstes Jahr aufs College gehen, verstreut sein in Amerika und die anderen werden auch ihre eigenen Wege gehen. Amerikaner sind einfach soo liebe Menschen und es ist so easy Spaß mit ihnen zu haben. Ich werde meine Freunde hier in Amerika nie vergessen und hoffe, dass viele andere Menschen die gleichen tollen Erfahrungen machen werden wie ich. Klar gibt es schwierige Zeiten und ich war zum Beispiel sehr knapp vorbei am Gastfamilienwechsel oder aufzugeben, einfach weil die erste Zeit sehr schwierig ist. Was ich hier gelernt habe, ist, dass ich mir nicht zu viele Sorgen machen sollte, nicht immer alles mit dem Gewohnten vergleichen soll und einfach die Zeit genießen, die man hier verbringt!
Milena Junge